Tapetenwechsel

Lesezeit ca.: 4 Minuten, 42 Sekunden

Na ihr? Neugierig?
Sehr gut.
Wie schon angekündigt bin ich nun in Ekwendeni, einer ziemlich großen Stadt für malawische Verhältnisse, in der übrigens die älteste Kirche Malawis steht.
Von hier aus sind es auch nur gut 30 Minuten bis nach Mzuzu, der lange Weg von Chilumba aus war ab und zu echt nervenzerrend! Und gut 2 ½ Stunden länger...
 

Hier werde ich nun in der St. Michaels Primary School arbeiten, die neben dem Skills Developement Center ist, in dem die liebe Johanna ihre meiste Zeit verbringt.
Unser Mentor, der Stuart, ist in der Primary übrigens der Headteacher/Direktor, quasi die höchste Instanz des Schullebens.
Letzte Woche hat mich Stuart schließlich der Horde von Schülern vorgestellt, mit „Max“ kamen alle noch klar, das „Lachnicht“ war da schon spannender wink.
Naja, jetzt bin ich halt nur der Max.
Klingt auch cool, vor allem wenn man es bei einem Stadtrundgang von allen Seiten hört!
Aus „Muzunguzunguzungu“ wurde „Maxmaxmaxmax“... ihr seht, es ist eine deutliche Steigerung sichtbar, haha!

Genau dieser Max hat nun auch deutlich andere Aufgaben als vorher.
Meine neuen Aufgaben sind das Führen der Bibliothek, ab und zu in der Standard 7. (7. Klasse) Englisch assistieren und mir den Kampf mit dem Sportprogramm anzutun. 
Da die Bibliothek in diesem Schuljahr leider kaum benutzt wurde, war ich die erste Zeit damit beschäftigt Bücher zu sortieren, denn hier in der Bibliothek herrscht strikte, deutsche Ordnung wink.
Wie lange diese hält ist die ne' andere Frage!
So sieht sie übrigens nun aus, nachdem wir ordentlich geputzt, sortiert und Bilder letzten Jahres
aufgehangen haben smiley.

Bezüglich des Englischunterrichts ist bisher noch nicht wirklich viel gemacht worden, wie immer verläuft der Arbeitsprozess hier verglichen mit Deutschland im Schneckentempo. Die Bücher habe ich mir schon besorgen können, allerdings weiß ich noch nichts weiteres. Bin schon stolz, dass ich mir den Bibliothek-Schlüssel ergattern konnte!
Die Primary School hat übrigens die Klassen 1-8, danach geht es ja, wie ihr wisst, mit der Secondary School weiter. Achja, sie ist auch im Gegensatz zu manchen Secondary's kostenlos...deshalb haben wir nicht 500, nicht 1000, nein ganze 1.600 Schüler in dieser Schule.
Ne' ganze Menge, oder?
Teilt man nun 1.600 Schüler durch die 8 Klassen, kommt man eigentlich auf 200 Schüler pro Klasse...das ist selbst für malawische Verhältnisse zu viel, deshalb wird erst einmal pro Jahrgang in Klasse A und B unterschieden und dann noch in Morgen- und Nachmittagsschicht.
Jap, das macht dann immer noch 50 Schüler/innen pro Klasse! Aber das ist O.K....mehr dürfen es aber bitte auch nicht werden cheeky.
Ich denke über meine Projektarbeit kann ich euch in ein paar Wochen mehr wissen lassen, es befindet sich halt alles noch im Anfang!

Tapetenwechsel fand natürlich nicht nur in der Projektarbeit statt. Ich wohne nun in der Familie des Projektmanagers des Skill Developement Centers...und was soll ich sagen, ich bin super zufrieden.
Ich war bezüglich Gastfamilien immer skeptisch, weshalb ich auch das Projekt der TAWUKA zunächst gewählt hatte.
Aber jetzt merke ich erst einmal, was ich dort alles nicht mitbekommen habe!
Es ist jeden Tag super interessant die Kultur jetzt noch näher zu erleben als ich es in Chilumba tat.
Mit mir wohnen die beiden Eltern von Ausmane (dem Projektmanager), sein Cousin, eine Hausfrau und der echt süße Neffe, der letztens erst 2 Jahre alt wurde.
Natürlich abgesehen von den Kakerlaken, Spinnen und Moskitos die ich in Deutschland tierisch vermissen werde smiley. Ihr könnt ja mal googeln was Walzenspinnen sind, die haben wir hier mehr als regelmäßig.
Ich habe zum Glück mein eigenes Zimmer und an Privatsphäre mangelt es mir kein Stück, was ich vorher irgendwie befürchtet hatte. Denn Privatsphäre wird hier echt respektiert, ohne meine Zustimmung wird wirklich niemand mein Zimmer betreten.
Und Leute...das Essen...es ist einfach so lecker. Natürlich hört sich Maisbrei vorerst komisch an, aber die Beilagen bestimmen den Geschmack. Es ist einfach so schön, wie viel Mühe sich meine Gasteltern geben, mir mein Essen so gut wie möglich schmecken zu lassen!
Kaum erwähnt man, dass man doch so gerne Bohnen und Soyapieces mag... „ZACK“ ...am nächsten Abend gibt es Nsima mit Bohnen und Soyapieces smiley.
Dafür werde ich mich auf jeden Fall nochmal revanchieren, Johanna und ich planen momentan ein „deutsches“ Essen für unsere beiden Gastfamilien!
Meine deutschen 74 Kilogramm Körpergewicht haben sich übrigens auf 78 malawische erweitert wink.
Natürlich nur Muskeln angelangel.

Nicht nur in der Schule wurde ich vorgestellt, am Sonntag war ich mit meiner Gastmutter in der Kirche und musste mich dort vor weiteren 200 Leuten vorstellen – komisch aber irgendwie ein herzliches Gefühl! Über malawische Kirchenmessen werde ich euch nochmal separat schreiben.


So das reicht erst einmal, ich will ja nichts überstürzen, so lange lebe ich hier ja schließlich auch noch nicht.
Und jetzt geht auf den Weihnachtsmarkt und trinkt einen Glühwein/Kakao für mich mit, das vermisse ich nämlich!Ich melde mich bei euch,


Max „Rachnischt“

 


Kommentare


Peter Meistes 04.12.2017 09:40:12

Hallo Max, ich werde erst gar nicht nach der spinnenart googeln , hört sich eh schon ekelig an. Das ihr was typisch deutsches kochen wollt, finde super. An den Bildern und deiner Berichterstattung, kann man erkennen das du nun den Jackpot gezogen hast. Es spricht für dich, das du die Ruhr behalten hast, als es nicht so toll lief. Bin tierisch gespannt auf die nächsten Berichte. Saukalte grüße aus dem Ruhrgebiet Peter

Andreas Plietker 14.12.2017 13:05:53

Moin Max. Super, hört sich doch klasse an. Glückwunsch. 78 kg malawisches Gewicht - solltest Du auch anstreben. Entgegen meinem vorherigen Schreiber - liebe Grüße Peter - habe ich die Walzenspinne gegoogelt und ein video gefunden, wo ein Prachtemplar vor laufender Kamera einen Vogel frisst. Aber 78 kg sollten auch für diese giftigen Viecher ne Nummer zu groß sein. Aufpassen! Auch Deine neue Unterkunft sieht gemütlich aus. Wir freuen uns für Dich, dass Du so gut untergekommen bist und die Gastfreundschaft zu schätzen weist. Mit Peter werde ich Weihnachten an seiner Spinnenphobie arbeiten - bringe ein paar Bilder mit. Liebe Grüße von den vier Saerbeckern.

Bernd Plietker 16.12.2017 09:57:42

78 kg Kampfgewicht... Sollte reichen, um die Spinnen im Zaum zu halten... Aber woher kommen die zusätzlichen 4 kilos? Maisbrei, Bohnen und Soja? Klingt doch ganz gesund... Oder hast Du noch etwas vergessen? Gibt es noch Nahrungsmittel, über die Du hier nicht schreiben möchtest:-)) Wie dem auch sei, Dein neues Zuhause sieht gut aus, Glückwunsch. Mach Dir nicht zuviele Gedanken, ob es in Ordnung ist, die alte Schule zu verlassen. Letzten Endes hat der dortige Direktor es versemmelt, und wenn er sich nun gegenüber einigen Leuten dafür rechtfertigen muss, dass die Projektbeschreibungen und tatsächlichen Tätigkeiten nicht übereinstimmen, dann ist das schon in Ordnung. Sieh es mal so, im kommenden Jahr wird das Projekt sicherlich unter anderen Vorzeichen stehen. Damit habt ihr den Leuten an der Schule und auch Deinen Nachfolgern einen guten Dienst erwiesen. Finde ich sehr stringent... Respekt! So, jetzt aber viel Spaß! Gutes Essen! Viel Sport (?)!

Über mich

Hallo, ich bin Max Lachnicht!

Ich komme aus Gronau-Epe, nahe Münster in Westfalen und bin neunzehn Jahre alt.

Momentan mache ich mein Abitur am Canisiusstift in Ahaus und werde ab September im Rahmen des Kolpingwerk Deutschlands ein freiwilliges soziales Jahr in Malawi machen!

Wieso ich das mache?